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Auf geschichtlicher Spurensuche in Polen

Seit mehreren Jahren besuchen Schüler unserer Schule Gedenkstätten , wie Ravensbrück oder Sachsenhausen. An diesen Veranstaltungen beteiligen sich die Schüler bereitwillig und als Ergänzung zum Geschichtsunterricht. Dieses Jahr bot sich, in Zusammenarbeit mit der Kindervereinigung Seelow, die Gelegenheit nach Krakau zu fahren. Eingebunden in ein komplexes Projekt wurden unsere Schüler auf diese Fahrt durch durch zwei Veranstaltungen vorbereitet, die mit dem Thema 2. Weltkrieg und Judenverfolgung vertraut machen sollten. Dazu besuchten wir die Gedenkstätte Seelower Höhen und das polnische Slonsk, wo sich eins der ersten Konzentrationslager der NS- Zeit befand.
Am 28. Februar machten wir uns mit dem Zug ab Gusow in Richtung Krakau auf den Weg. Die Schüler wurden von Herrn U. Hädicke (Vorsitzender der Kindervereinigung), Herrn B. Kaczmarek (Kustor des Museums in Slonsk), Frau Fröhlich (Geschichtslehrerin) und Frau Behrend (Schulsozialarbeiterin) begleitet. Herr U. Hädicke war bereits mehrfach mit Schülern auf Gedenkstättenfahrt. So stand uns ein kompetenter Partner zur Seite, der inhaltlich und organisatorisch erfahren war. Durch Herrn Kaczmarek hatten wir die Möglichkeit, die Erfahrungen auch aus polnischer Sicht wahrzunehmen. Das Deutsch – Polnische Jugendwerk, die Aktion Sühnezeichen – Friedensdienste, der Landkreis Märkisch Oderland, der Lokale Aktionsplan, der Schulförderverein, der Landtagsabgeordnete Wolfgang Heinze (Die Linke) und die Eltern unterstützten dieses Projekt finanziell.
Unser Aufenthalt in Krakau begann mit einem ausführlichen Stadtrundgang , der uns an Plätze führte, die über jüdisches Leben vor und während des Krieges erzählten. So waren wir an der Emaille -Fabrik Oskar Schindlers, der Juden in seiner Fabrik beschäftigte und sie so vor dem Transport in die Lager schützte. Die Geschichte ist sicher vielen aus dem Buch und dem Film „Schindlers Liste“ vertraut. An diesem Tag besichtigten wir auch den Bereich des damaligen Ghettos als einen Teil des Holocaust und erhielten im „Gallizischen Museum“ einen Einblick in vergangenes und heutiges jüdisches Leben in dieser Stadt. Dabei macht es uns sehr betroffen, anhand von Bildern zu sehen, dass durch die Judenverfolgung Stätten und Orte dieser Religion untergegangen sind. Im Anschluss besuchten wir eine Synagoge und jüdische Friedhöfe als geschichtliche Zeugen über die lange jüdische Tradition in Krakau. Heute kann man an vielen Stellen sehen, dass die jüdische Religion und Kultur wieder gelebt wird.
Am 1. März besuchten wir das Stammlager von Auschwitz. Die geschichtlichen Hintergründe und Daten waren uns bekannt, aber direkt am Ort dieser unvorstellbaren Ereignisse zu sein machte uns betroffen. Herr Jurek Bochenski führte uns durch die Blocks und wir erfuhren Einzelheiten über das Leben im Lager . Der dunkle Bunker, in dem Häftlinge wegen kleinster „Vergehen“ mehrere Tage ohne Wasser und Nahrung zu viert in einer Zelle , 90 x 90 cm groß, stehen mussten oder die Berge von Schuhen und Haaren der vergasten KZ- Insassen beweisen den Schrecken der Vergangenheit und machten uns still und nachdenklich. An der Todesmauer legten wir in Gedenken an die Opfer Blumen nieder. In einem Dia – Vortag wurden uns einzelne Schicksale der Häftlinge, aber auch der Weg eines SS- Unterscharführers verdeutlicht. Auf der Rückfahrt im Zug war es für uns schwierig wieder in das Hier und Jetzt einzutreten. Während der Fahrt kamen wir mit einem älteren Passagier ins Gespräch. Zu unserem Erstaunen erzählte er uns,dass er als Sechsjähriger zwischen dem Stammlager Auschwitz und dem Todeslager Auschwitz Birkenau wohnte.
Der folgende Tag führte uns in das Salzbergwerk von Wiliczka. Hier hatten wir die Gelegenheit einen Schatz des Weltkulturerbes zu besichtigen. Unterirdisch präsentierten sich uns Skulpturen in Räumen und Kathedralen, die vollständig aus Salzgestein in jahrhunderter langer Arbeit gefertigt wurden. Am Nachmittag stand ein Besuch der prunkvollen Krönungsburg „Wawel“ auf dem Programm.
Das Vernichtungslager Auschwitz Birkenau besuchten wir am 3. März. Wieder führte uns Herr Jurek Bochinski über das Gelände. Beklemmend waren die Enge, die unhygienischen Zustände und die Unmenschlichkeit mit der die Häftlinge zu kämpfen hatten. Die bis ins Detail organisierte Vernichtungsmaschinerie mit der hier ganze Familien ausgelöscht wurden erschreckte uns zutiefst und verdeutlichte, wie nötig Aufklärung auch in heutiger Zeit ist, um solch wahnsinnigen Ideologien und Taten entgegen zu wirken. Eine Ausstellung von gefundenen Familienfotos der Opfer zeigte uns, dass an der Rampe in Auschwitz ganz normale Menschen ankamen. Sie hatten Familie und Freunde, sie kamen aus unterschiedlichen Berufen, waren auf Reisen und feierten. Dieser strenge Kontrast zu dem Leben im Lager ist für uns aus heutiger Sicht unvorstellbar. Es stellt sich unweigerlich die Frage, wie man selbst diese Situationen bewältigt hätte. Zum Abschluss erzählte uns Herr Jurek Bochinski seinen persönlichen Bezug zum Lager Auschwitz. Sein Onkel war damals ein Kz – Häftling. Er mahnte, dass die Geschichte in Zukunft nicht vergessen werden darf, auch wenn die Augenzeugen immer weniger werden . Ein Zitat aus dem Buch über „Auschwitz als Residenz des Todes“ verdeutlicht, welche Gedanken uns bewegten. „...unsere Sprache hat keine Worte um diese Schmach, dieses Vernichten eines Menschen zu äußern.“. Den Schülern gingen zu der Fahrt folgende Gedanken durch den Kopf: Cindy Palm „..Das Auschwitz Lager eins fand ich am Schlimmsten, da man da Bilder und Gegenstände gesehen hat, die einem sehr nahe gegangen sind. ..“; Stefan Mundt: „... Das Lager Auschwitz hat mir einen Eindruck vermittelt, wie grausam sie damals die Leute ermordet haben...“ Rocky Plehnert: „..Die Bilder erzählen die Geschichte selber....“
Am Dienstag Mittag kamen wir dann wohlbehalten und mit vielen neuen Erfahrungen in Gusow an. Rückwirkend betrachtet, war es eine Reise, die uns verschiedene Facetten der Geschichte und des Lebens in Polen zeigte.
Es ist in Planung, diese Fahrt für interessierte Schüler der 10. Klassen zur Tradition werden zu lassen.

Schüler aus den 10. Klassen, Martina Fröhlich, Jana Behrend, Martin